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Anneliese Fritzsch

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Schwierige Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen...

Anneliese Fritzsch geborene Reiß, lebt seit 1942 Im Griffenborn 10. Die Familie wohnte vorher in der Medardstraße und hatte 1940 gerade mit dem Hausbau im Griffenborn begonnen, als der Vater in den Krieg musste. Er fiel 1944 im Alter von 50 Jahren in Polen.
Die Zeiten waren auch bei Familie Reiß hart – wie überall. Die Mutter verfügte über keinerlei Einkünfte, nachdem der Vater eingezogen worden war. Der Sohn Apollinarius (Zwillingsbruder von Anneliese Fritzsch) erhielt ebenfalls 1939 den Stellungsbefehl und musste zur Marine. Zurück blieben die Mutter, Anneliese und die 1935 geborene Tochter Marianne.
Sie mussten mit dem auskommen, was die älteste Tochter verdiente.
Wie es dazu kam, dass Anneliese Fritzsch und ihre damals 60jährige Mutter für zwei Jahre „vorbestraft“ waren, schildert sie nachstehend:
„Des öfteren bin ich mit meiner Mutter nachts beim Mondschein mit dem Handwagen in den Wald gefahren, um Brennholz zu holen. Das war in den Jahren 1945 bis 48, Briketts gab’s ja nicht. Da in der näheren Umgebung alles abgeholzt war, mussten wir in den
Mattheiser Wald oder die Kobenbach. Die „ganze Siedlung“ ging in die Kobenbach, die Leute hatten ja alle nichts zu brennen. Die Bäume waren dort nicht so stark und konnten gut gefällt werden. Mit der Karre sausten wir dann die Pellinger runter. Der Mattheiser Wald war damals noch nicht abgegrenzt. Während des Krieges hatten die Deutschen ihre Kasernen dort, danach kamen die Amerikaner und später die Franzosen.

Der Förster

Tagsüber war das Holzfällen viel zu riskant, denn der Förster lag stets auf der Lauer. Er wohnte im Haus Kobenbach und wir mussten ja bei ihm am Haus vorbei. Daher gingen wir meist in den Wald, wenn ich von der Spät- oder Nachtschicht nach Hause kam. Morgens um 6:00 Uhr schläft der Förster ja noch – dachten wir. Ich war damals Aufseherin im Untersuchungsgefängnis (für Frauen) in der Windstraße.
Aber einmal wurden wir doch erwischt. Eine Hilfskraft des Försters hielt uns im Wald fest und fragte: „Wem gehört das Holz hier?“ worauf wir ihm sagten, dass es uns gehöre und wir es gerade gefällt hätten. „Solche Bäume fällen Sie!“ empörte er sich, worauf meine Mutter ihm antwortete:
„Das geht dich gar nichts an, du bist doch nicht mal im Stande so einen Baum zu fällen, wenn ich dich so ansehe“.
Der Förstergehilfe verwies uns des Waldes mit den Worten: „Das Holz bleibt hier, machen Sie, dass Sie nach Hause kommen. Hier kommen Sie nicht mehr in den Wald!“
Wir sind dann heimgefahren. Aber das Holz holten wir uns trotzdem in einer der nächsten Nächte. Wir hatten uns so dafür geplagt und es bereits in Meterstücken schön aufgesetzt.
Ein Protokoll mussten wir dennoch bezahlen – pro Person 35 RM. Meine Mutter und ich hatten eine Vorladung aufs Polizeiamt nach Trier-Süd erhalten. Ich ging dann hin, um die Sache zu regeln. Als der Beamte mich nach meinem Beruf fragte und erfuhr, dass wir quasi Kollegen waren sagte er: „Ja wissen Sie denn nicht, dass Sie jetzt vorbestraft sind?“ Aber das war mir egal. Die 70 RM war ein Haufen Geld, wir kamen nicht am Bezahlen vorbei. Die Strafe verjährte nach zwei Jahren.

1947 sind wir dann noch öfter in den Wald gefahren. Mein Sohn war damals ein Baby und ich konnte doch mein Kind unter keinen Umständen kalt sitzen lassen. Von keiner Seite gab es irgendeine Unterstützung. Erst ca.1948/50 wurden die Zeiten besser. Da gab es dann auch Briketts zu kaufen.
Einmal hatte mich mein Kollege aus dem Gefängnis gewarnt, das war 1946. „Anneliese, wenn Ihr frisch geschlagenes Holz daheim habt, versteckt es!“ Damals wurden Kontrollen durchgeführt. Von Haus zu Haus wurde die Asche untersucht. Bei frisch geschlagenem Holz ist die Asche ganz hell. Wir versteckten daraufhin das Holz im Garten unter dem hohen Kartoffelkraut. Es wurde alles durchsucht, auch die Gärten. Aber mein Kollege schleuste die Kontrolleure geschickt um unser Haus herum.
Das wenige, was es in den schweren Zeiten nach dem Krieg gab, war nur über Marken zu erhalten.

Als ich im siebten Monat schwanger war, musste ich zum Ernährungsamt gehen, um dort die Marken für die Babykleidung abzuholen. Manche Sachen habe ich dann bei Insel gekauft, neben Hochstetter das damals größte Geschäft in Trier.

Besser war natürlich derjenige dran, der über die nötigen Beziehungen verfügte. So war es wiederum den Verbindungen eines Arbeitskollegen aus dem Gefängnis zu verdanken, dass ich meinen im April 1947 geborenen Sohn, der die damals übliche Kindernahrung Hakoso nicht vertrug, überhaupt satt bekam. Auf dem schwarzen Markt konnte ich dann Haferflockenbrei, Griesmehlbrei und Butter kaufen. So hatten wir mal ein bisschen manierliches Fett im Haus. Das Pfund Butter kostete 180
RM, Mehl 50 RM, Grießmehl und Haferflocken ebenfalls 50 RM.
Während meiner Ausbildung zur Kauffrau durfte ich vom Lohn ein Taschengeld behalten. Das sparte ich mir dann.
Aber später ging alles dafür drauf, umdie Familie zu ernähren.

Für 5 RM entnazifiziert...

Als die Franzosen hier waren, herrschte ab 22:00 Uhr Ausgangssperre.
Ließ man sich danach auf der Straße erwischen, wurde man direkt für mindestens 14 Tage ins Gefängnis gesperrt. Es war oft reine Willkür und in dem überfüllten Gefängnis saßen viele Unschuldige.

Damals musste man zur französischen Behörde in der Dietrichstraße und wurde zur Hitlerzeit ausgefragt. ob man in der NSDAP war, war natürlich der wichtigste Punkt.
Da ich nicht in der Partei war, kam ich mit 5 RM raus und war damit entnazifiziert.“

1946

Dann erzählt Anneliese Fritsch noch eine Begebenheit aus dem Jahre 1946, die die heutige Generation bestimmt zum Schmunzeln bringt:
Nach dem Krieg lud ich im Sommer meine Nachbarin Gretel Wintrath in unseren Garten ein und sagte: „Komm, wir bräunen uns ein bisschen.“
„Womit schmieren wir uns denn ein“, fragte Gretel. „Wir haben noch Margarine“, antwortete ich. Das Abdeckpapier der Margarine benutzenwir dann zum Einreiben.
So brutzelten wir dann einige Stunden in der Sonne.
Aber oh weh! Am nächsten Tag hatten wir am ganzen Körper einen gewaltigen Sonnenbrand. Da wir uns dem Sonnenbad in Unterwäsche hingegeben hatten, waren wir überall gehörig versengt.

Die Margarine war dann wohl doch nicht der richtige Sonnenschutz!

Verfasserin:

Marita Lenz